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Politik des Versagens - Teil 3

20.07.2018
 

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

4. Telekommunikation und Digitalisierung

Telefon

Auf unseren Fahrten quer durch Deutschland ist ein Autotelefon eine schöne Sache. 

Wäre eine schöne Sache, wenn denn ein begonnenes Telefonat (Autotelefon mit Freisprecheinrichtung) nicht permanent abbrechen würde, wegen fehlender Funkverbindung. Auf der Fahrt von München in den bayrischen Wald musste der Gesprächspartner 6 mal neu angewählt werden. 

In einer mittelgroßen Stadt im Schwäbischen ist ordentlicher Mobilfunkempfang gerade mal um das Rathaus und den Marktplatz möglich, an anderen Stellen im Ort ist man froh, wenn das Smartphone zwei von fünf Signalstärkebalken anzeigt. Vom Hotelzimmer aus klappt es schon nicht mehr, man muss das Fenster öffnen und sich dicht dran stellen, um einigermaßen Funkkontakt zu haben. Ein bisschen weiter außerhalb in unserem Lieblingsbiergarten, gibt es den sogenannten Nullempfang. Nicht weil man im Biergarten nicht telefonieren sollte, die Signalstärke ist einfach NULL.

Kürzlich waren wir in Frankreich, westlich außerhalb von Paris, in einem winzigen Nest. Funkempfang perfekt, Internet im Hotel perfekt. 

Auf der Fahrt von Straßburg nach Paris ununterbrochener Kontakt des Navigationssystems auf einem iPad von Apple (könnte natürlich auch ein Windows oder Android Pad sein) zu den Mobilfunkstationen. Selbst in den weiten Ebenen zwischen Metz und Paris gab es keine Unterbrechung, die Ladezeit von Internetseiten unmerklich langsamer als in der Nähe größerer Städte. 

Festnetz. 

Einer der großen Anbieter stellt sein Festnetz auf neue Technik um. Der Kunde erhält einen neuen vom Anbieter vorgeschriebenen Router. Die Umstellung soll am Tage x erfolgen. Am Tage x + 10 funktioniert immer noch nichts. Reklamationen, aus der Not über das mäßige Funknetz erfolgt, bleiben in stundenlangen Warteschleifen der Call- und Servicecenter hängen. Die Mitarbeiter dort sind total überfordert. Wichtigste Frage: haben sie den Netzstecker für die Stromversorgung gesteckt? Letztlich kommt der ersehnte Servicemitarbeiter, reist unverrichteter Dinge aber wieder ab da er den richtigen Ersatzrouter nicht dabei hat. Diese Geschichten sind unzählig und schier endlos. Und das in einem Hightech Land, der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2018 (nicht 1918 wie man meinen könnte).

Was macht ein frustrierter Kunde? Er wechselt den Anbieter. Tut er das, dann beginnt das Drama erst recht, in drei Akten. Erster Akt, er versucht seine Telefonnummer mitzunehmen. Zweiter Akt, er wartet Wochen auf die Umstellung auf den neuen Anbieter, dritter Akt, es funktioniert nichts, siehe oben.

Internet und Datenkommunikation

Es soll so etwas wie garantierte Download- und Upload-Geschwindigkeiten geben. Z.B. 50 Mbit/s Download und 30Mbit/s Upload. Real am PC gemessen ergeben sich dann 20 und 5 Mbit/s. Für den Privatmann mit seinen geringen Ansprüchen ist das fast nicht bemerkbar, wenn er jedoch live eine Übertragung aus dem Bundestag in Berlin oder gar ein Fußballspiel ansehen möchte, dann wir aus dem Fußballspiel ganz schnell ein Standfußball und aus dem Redebeitrag von Kanzlerin Merkel eine Schweigeminute der AfD.

Für Unternehmen, Krankenhäuser, Energieversorger, speziell wenn sie ihren Standort irgendwo auf dem flachen Land oder im Schwarzwald haben, dann kann man die Downloadzeiten eher in Stunden als in Sekunden rechnen. 

Ein schönes Beispiel: Ein CT Datensatz sollte vom Klinikum in Ludwigshafen an das Klinikum in Mannheim gesandt werden. Ging nicht. Bandbreite der Internetverbindung zu gering. Ergo wurde eine CD gebrannt und per Taxi nach Mannheim gesandt. Soviel zum Doc online.

Schauen wir uns doch mal in der Welt um:  Der SWR berichtet über Südkorea. Festnetz voll digitalisiert, Mobilfunkabdeckung landesweit zu 100%, dazu im Vergleich zu Deutschland: spottbillig. Und das bei nur einem Anbieter der Korean Telecom. Technisch gesehen setzt Korea bereits voll auf den 5G Standard. 

Wollte man in Deutschland nicht bis 2018 eine 99 prozentige Mobilfunkabdeckung haben? Fehlanzeige. Man einigt sich auf einen Kompromiss: 98,5 % bis 2020. In Deutschland ist man gerade dabei, den LTE Standard partiell einzusetzen. Die 5G Lizenzen sind noch nicht einmal an die Kommunikationsunternehmen versteigert. Der Krach deswegen zwischen Minister Scheuer und der Bundesnetzagentur ist zwischenzeitlich schon öffentliches Thema.

Verantwortlich in schöner Tradition für das digitale Desaster: von der CSU gestellte Minister: Ramsauer, Dobrindt, Scheuer, dazu Dorothee Bär als Digitalministerin.

Aus Wettbewerbsgründen gibt es in Deutschland sehr viele Anbieter im Kommunikationsbereich, in der Hoffnung, dass die Unternehmen innovativer werden, besseren Service anbieten und für den Verbraucher kostengünstiger werden. Kontrolliert wird das alles von der Netzagentur, bei der man sich auch beschweren kann, wenn nichts funktioniert, oder wenn die Abrechnungen nicht stimmen. 

Das ändert aber nichts an den Tatsachen: Für ein hochtechnisiertes, extrem exportabhängiges Land ist die Kommunikationsinfrastruktur in Deutschland rückständig, zu teuer, nicht flächendeckend und nicht leistungsfähig genug. Was passiert, wenn das Datenaufkommen immer mehr steigt? Der Trend dazu ist deutlich erkennbar: Streaming von Filmen, Liveübertragungen von Sportereignissen, Musikdownloads, Onlinehandel, Echtzeitüberwachungen von Anlagen, Häusern, öffentlichen Einrichtungen und Straßen, zu erwartendes Datenaufkommen des autonomen Fahrens.

Originalzitat von der Homepage Deutsche Glasfaser: Deutschland steht im internationalen Vergleich der Breitbandverfügbarkeit nicht sonderlich gut da. Die bestehende Infrastruktur ist den aufkommenden Datenmengen schon jetzt nicht mehr gewachsen.

Argument der Politik: das müssen die Telekom Anbieter leisten. 

Wer macht denn die Gesetze? Welche Auflagen werden denn den Anbietern gemacht, wenn Funklizenzen vergeben werden? Was ist das Ziel der Politik? Wäre es nicht besser Geld in den Ausbau der Telekommunikation zu stecken und damit Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten als in unsinnige Sozialprogramme ohne nachhaltige Wirkung?

Da gibt es eine Studie des mehr als renommierten Fraunhofer Instituts ISI. Wir zitieren hierzu eine einen Artikel aus Heise Online:

Zitat Anfang: Mit einer aktuellen Studie verleiht das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) der Forderung Nachdruck, den Glasfaserausbau in Deutschland gezielter zu fördern. Dass Deutschland bei direkten Glasfaseranschlüssen im europäischen Vergleich weit hinterhinkt, liege an "fehlender gesamtstaatliche Strategie, unkoordinierten Förderprogramme und fehlendem Mut", bilanziert die im Auftrag der Bertelsmannstiftung erstellte Studie "Ausbaustrategien für Breitbandnetze in Europa".

Eine Bremse haben die Autoren der Studie beim Bund und seinen unkoordinierten Förderprogrammen ausgemacht. Die Politik schafft nicht genug Anreize, direkt in Glasfaser zu investieren, anstatt auf Brückentechnologien zurückzugreifen. "Der aktuelle Stand der Glasfaser-Versorgung ist nicht gut, aber das eigentliche Drama ist, dass der Aufholprozess durch politische Weichenstellungen unzureichend unterstützt wird", kritisiert Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Ende Zitat.

Vielleicht sollten wir mal ein paar ostasiatische Unternehmen ins Land holen wie die Korean Telecom oder die NTT aus Japan. Oder wir brauchen bessere Politik, am besten durch neue Köpfe an der Spitze.

Nachtrag: selbst die den Grünen und CDU so affine Süddeutsche Zeitung ist aufgewacht und stellt am 17. Juli 2018 einen Artikel online mit der Überschrift:

Digitalpolitik  Trump poltert, China investiert, Europa schläft.

Weiter im Text: „Was industrielle Strategien und den internationalen Wettbewerb betrifft, gibt es keinen größeren Kontrast als zwischen Europas Resignation und Chinas eiserner Entschlossenheit.“

Frage wer ist denn das größte Industrieland in Europa? Aha, Deutschland. Und von wem wird es regiert? Aha, Merkel und Co. ! Wenn die SZ in dem oben genannten Artikel schreibt, dass „die europäischen Politiker wohl ein Nachmittagsnickerchen halten“, dann kann man von der deutschen Regierung nur sagen: Dauerschlaf seit 13 Jahren!!

(20. Juli 2018)