Neues:

Grossbritannien und Saudi-Arabien

10.01.2017
 

Make Britain GREAT AGAIN

Uiih! Es gibt was Neues vom Boris!!

Haben wir doch gleich gesagt, als er Aussenminister wurde, dass man mit ihm sicher noch Spass haben wird. Obwohl Frau PM May das sicher etwas anders sieht.

Er redet davon, dass die Saudis und die Machthaber in Teheran die Religion missbrauchen, dass Saudi-Arabien Jemen illegal bombardiert und einen Stellvertreterkrieg mit Iran in Syrien führt. Recht hat der Mann und für Aufregung ist wieder mal gesorgt.

https://www.theguardian.com/commentisfree/

Unterdessen bespricht Frau May, PM, ganz unaufgeregt die wirtschaftlichen Bindungen mit Saudi-Arabien und deren Verbündeten. Na klar, das gibt sie auch zu: Nachdem der Mr Boris so tapfer geholfen hat, den Brexit herbeizuführen, muss Great Britain ("To make Great Britain truely GREAT AGAIN, frei nach Trump) sich natürlich nach neuen wirtschaftlichen Partnern umsehen, bzw gute alte entsprechend pflegen. Und was läge näher als die reizenden Saudis, die schon heute ihre Waffen vor allem aus Great Britain und den USA beziehen. Und um mehr und neuere Waffen verkaufen zu können, die auch VIIIIIIIEEEEL mehr Geld einbringen, muss man die alten erst mal ausmustern. Wie bzw wo könnte Saudi-Arabien das denn besser tun, als im Krieg gegen Jemen und auch in Syrien im Stellvertreter Krieg gegen die verhassten Iraner? Die Kinder Syriens und Jemens danken bestens. Ihr Leben wird zerstört; freundliche Grüsse aus GREAT BRITAIN und den USA.

Frau May ist nur eines zugute zu halten: Dass sie ohne Kopftuch bei den reizenden Saudis auftritt, nicht wie dazumal die Schweizer Aussenministerin Calmy, die sich mit einem Kopfschleierchen zierte, der Gastgeber (war es Iran?) wegen. Naja, PM May ist ja auch nicht direkt in der Höhle der Supermännlichkeit, sprich Saudi-Arabien, zugaste, sondern in einem der leicht aufgeklärteren Golfstaaten. Sie betont die guten Beziehungen zu den Saudis. Wohl bekomm's GREAT BRITAIN! 

Wenn wir die Wahl hätten zwischen engeren Wirtschaftsbeziehungen mit den Saudis oder der EU würden wir trotz aller Fehler, die der EU anhaften, doch diese relativ friedliche Gemeinschaft den kriegstreibenden, Extremismus verbreitenden, frauenverachtenden Saudis vorziehen.

Nebenbei gesagt: Auch die Schweizer NZZ schleicht auf Samtpfoten um die Saudis herum, denn in Zuschriften darf man sie weder "extremistisch" noch "frauenverachtend" nennen, ob wohl das TATSACHEN sind. Glücklich ist, wem Öl gehört. Nicht am Golde, am Öle hängt doch alles.

Vielleicht bewirkt Boris Gewirbel ja etwas. Jedenfalls sagte er: “There are politicians who are twisting and abusing religion and different strains of the same religion in order to further their own political objectives. That’s one of the biggest political problems in the whole region. And the tragedy for me – and that’s why you have these proxy wars being fought the whole time in that area – is that there is not strong enough leadership in the countries themselves.” Er fügte hinzu: “That’s why you’ve got the Saudis, Iran, everybody, moving in, and puppeteering and playing proxy wars.”

Man kann Boris eigentlich nur Recht geben, obwohl er sich andererseits total unlogisch verhält: Wenn er diese Stellvertreterkriege ablehnt, warum lehnt er dann nicht auch konsequenterweise Waffenverkäufe an die Kriegstreiber ab und die Ausbildung dieser durch britische Militärspezialisten? Aber Logik war wohl nie Boris Stärke.

https://www.theguardian.com/politics/

Die Saudis selbst sehen das natürlich gaaaanz anders. Wer, werter Leser, werte Leserin, ist wohl Schuld an dem Kuddelmuddel im Nahen Osten? Natürlich, laut Saudi-Arabien nur die bösen Iraner, die  -man höre und staune- "die Religion missbrauchen" für ihre bösen Zwecke. "You are black, says the pot to the kettle."

Es ist sehr interessant die Reaktionen der involvierten Parteien auf all die Aufregung zu verfolgen. In GB heisst es von Seiten der PM, Boris vertrete nur seine eigene Ansicht. Die Regierung GBs unterstütze die Saudis natürlich darin, einen gerechten Krieg zur Verteidigung seiner Grenzen zu führen. Der Verteidgungsminister GBs, Fallon lässt verlautbaren: “The government’s view is absolutely clear – that what Saudi Arabia is entitled to do is defend itself from these attacks across its own border.” Aha! Verteidigung also, denkt die Leserin. Fallon heisst ja auch Verteidigungs- nicht Kriegsminister.

Iran ist erzürnt, da Ms May dieses Land als den einzigen Unruheherd im Nahen Osten darstellt."Iran remained a threat to the stability of the Middle East and the UK would not ignore 'aggressive' Iranian actions in Syria and Yemen," hiess es von ihrer Seite. Das Resultat: Der britische Botschafter in Iran, erst seit kurzer Zeit im Amt, wurde ins iranische Aussenministerium einbestellt. "Es sei laut Ghassemi sehr bedauerlich, dass die Premierministerin die Tatsachen in der Region ignoriere. Im Gegensatz zu einigen Golfstaaten, wolle gerade der Iran Frieden und Stabilität in der Region und sei daher auch aktiv im Kampf gegen Terrorismus engagiert." http://www.nzz.ch/international/nahost

Iran, die pure Unschuld. Wo liegt wohl die Wahrheit bei diesem Streit?

Interessanterweise haben wir obige Nachricht noch in keiner britischen Zeitung gefunden. Die "Unpleasantness", dass der britische Botschafter einbestellt wurde, noch dazu von solch einem Staat wie Iran, um die gehässigen Worte seiner PM zu erklären, wird wohl in GB gerne verschwiegen, da sie zu peinlich ist.

Und Boris selbst? Er ist natürlich wieder einmal missverstanden worden - wie konnten wir das nur übersehen. Wie fast immer. Schuld sind nur die Medien, laut Fallon, Verteidigungsminister. "Michael Fallon, has blamed a row over Boris Johnson’s criticism of Saudi Arabia on the media, saying reports about the foreign secretary’s comments had been misreported." https://www.theguardian.com/politics/2016/

Wie gut, dass es für sämtliche Dummheiten der Politiker immer einen anderen Schuldigen gibt. Sind es nicht die Medien, so sind es heutzutage meist die Populisten. Aber irgendwie sollte sich der Mann (oder ganz allgemein sollten sich die Politiker) doch ein bisschen unmissverständlicher ausdrücken. Am Ende glaubt ihm/ ihnen sonst niemand mehr diese billigen Ausreden.

(Erstellt: 10. 12. 2016; ergänzt: 11. 12. 2016)