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Was will der aufgeblasene Luftballon eigentlich?

28.05.2018
 

Was führt er im Schilde?

Der verrückteste Präsident und der aufgeblasenste Luftballon aller Zeiten

"Kim, der Kluge, eine Analyse", titelt eine eher linke und eher unbedeutende Schweizer Zeitung. Von "Analyse" ist dann in dem kurzen Artikel zum "klugen" Kim allerdings nichts zu finden und warum der aufgeblasene, überfressene Ballon klug sein soll, wird ebensowenig klar.

Aber so sind eben manche Journalisten: Man will ganz vorne dabei sein, es als erster gesagt haben und dann werden solche abenteuerlichen Charaktereigenschaften kreiert. 

Davon abgesehen: Die Entwicklung hin von Drohung mit Mord- und Todschlag und atomarem Overkill von beiden Seiten zu samtpfotigen, höflichen ("Mein liiieeber Kollege Moon") Friedenstauben in nur wenigen Wochen ist schon sehr erstaunlich. Nicht, dass wir unglücklich darüber wären. Keineswegs! Frieden in einem kleinen Teil dieser Welt, eine glückliche Zukunft für alle Kinder und Enkelkinder dieser Erde, ein Ende des idiotischen Gedrohes mit Atomwaffen sind mehr als wünschenswert.

Allerdings gehören immer zwei (oder mehr) zu Friedens- oder auch nur Stillhaltevereinbarungen. Und die Nummer zwei in diesem Fall, der mindestens ebenso unberechenbare und twitter-verrückte US Präsident Trump, ist nicht gerade ein Partner, der irgendwo oder in irgendwem Vertrauen erwecken kann.

Bevor wir Kim nun über den grünen Klee loben, wie diese Zeitung das tat, ihn gar als "klug" bezeichnen, wollen wir der Sache doch mit etwas mehr Vorsicht begegnen. Kim ist ganz sicher nicht dumm; wir würden ihn als gerissen, schlau, total auf den eigenen Vorteil bedacht charakterisieren. Jedenfalls hat er bisher immer nur dies mit allen seinen Handlungen bewiesen.

Warum wird aus einem potentiellen Weltzerstörer innerhalb von wenigen Wochen eine Friedenstaube? Die Familie Kim ist vor allem bekannt für ihre Tricks, dafür, stets die grössten Vorteile für sich selbst herauszuholen. Warum sollte das nun auf einmal ändern?

Es gibt ein paar Tatsachen, die wir zunächst betrachten wollen:

  • Nord Korea ist bitterarm, das Volk hungert, die Menschen, die auch nur die kleinste Regung gegen das Regime zeigen, schmachten in Arbeitslagern, werden ausgebeutet und sterben dort. Die restliche Bevölkerung ist ständig von einem gleichen Schicksal bedroht und lässt sich deshalb stumpf ergeben wie ein Opferlamm zur Schlachtbank führen. Aber auch Opferlämmern kann es gelegentlich zu viel werden.
  • Man sieht es an den Bildern: die klapprig dürren, kleinen Generäle und Berater, die von dem fetten Ballon auf den Bildern jeweils fast erdrückt werden. Sogar im Vergleich mit dem normalgewichtigen Moon, platzt Kim aus allen Nähten. Die kindischen "Hallelujah, Heil unserem Herrscher Kim" Bilder, die bei jeder Gelegenheit fröhlich bunt gekleidete Kinder und fahnenschwingende Menschen vorführen, die "unserem Herrscher" zu huldigen haben, lassen tief blicken. Denn solche Bilder zeigen immer nur eines: dass sie von Grund auf verlogen sind. Und irgendwann, eines Tages, oft ganz unverhofft, brechen solche verlogenen Regime zusammen (s. Sowjetunion, DDR...)
  • Die Wirtschaftsblockade, auch wenn sie vom Ballon teilweise raffiniert durchtrieben umgangen wird, scheint doch zu greifen, so sehr, dass es offensichtlich langsam auch bei den Kims und ihrer unmittelbaren Klientel ans Eingemachte geht. Es heisst, dass man einen nicht allzu weit von Nord Korea entfernt gelegenen Ort für das Treffen USA/ Ballon ausmachen muss, da sein Flugzeug eher altersschwach ist. Wenn sogar der Ballon in einer alten Kiste angeflogen kommen muss, wie ist es dann um den Rest des Landes bestellt? (Mal abgesehen von seinem Hobby Atombomben-Bauen, das offensichtlich alles Geld auffrisst).
  • Ausserdem - und das ist vielleicht sogar der Hauptpunkt: Chinesische Wissenschaftler sind der Meinung, dass dieses Hobby auch nicht mehr wirklich gut läuft. Angeblich hat der letzte Riesenversuch im September 2017 Tunnels einstürzen lassen und die Gefahr von nuklearer Verseuchung ist durchaus gegeben. 100 km von der chinesischen Grenze entfernt, findet China diese Tatsache nicht wirklich gut. Der Ballon versichert zwar der Welt, er habe noch andere, grosse, völlig intakte Tunnels. Aber das würde jeder Diktator in der gleichen Lage daherlügen, oder nicht? Selbst wenn er noch Tunnels hat, wer weiss wie es um das Drumherum aussieht?
  • Er liess als "Beweis" seiner "guten Absichten" sogar ein paar Atom-Anlagen sprengen, unter grossem Brimborium, so dass auch jeder weiss: Aha, der grosse Kim ist ein ehrlicher Makler. Wieviel Radioaktivität bei all dem Gesprenge und Geteste ausgetreten ist, wie stark die Gegend dort schon verseucht ist, wird niemandem mitgeteilt.
  • Wie dem auch sei: Soooo gross ist Nord Korea nun wirklich nicht, dass es unbeschränkt Berge mit atomarem Fall-out verseuchen oder in die Luft sprengen könnte. Irgendwann würde dies sogar den aufgeblasenen Ballon in seiner Bewegungsfreiheit eingrenzen. Auf einmal hätte er, wenn er so weiter atombombt, weder ein Volk noch ein Land zum Ausbeuten mehr.

Und tatsächlich, ganz blöde ist er ja nicht. Also, warum nicht mal zur Abwechslung ein paar Friedenstauben loslassen? Gute, neue Wirtschafts-Bedingungen aushandeln - ganz wie ehedem der Vater-, dem Volk ein paar Brosamen hinwerfen und so tun, als seien das wunderbare Steaks vom gedeckten Tisch des Herrn, ein bisschen Frieden mit Südkorea vorgaukeln und dafür von dessen Know-How und Verbindungen profitieren, und wenn dann die Zeit wieder gekommen ist, dass etwas Gras über all den Atommüll gewachsen ist, kann der Ballon - so es ihn dann noch gibt- zweifelhaft bei seiner Lebensweise- ja wieder von neuem loslegen, mit einem neuen US Präsidenten, der sich vielleicht wieder etwas mehr von den atomaren Tatsachen beeindrucken lässt, als der jetzige Hyperaktive.

Die Leidtragenden sind dabei natürlich wieder einmal vor allem die Nordkoreaner, deren Los sich bisher kein kleines bisschen gebessert hat und auch die Südkoreaner, die zwischen Szylla und Charybdis leben müssen: Zwischen dem aufgeblasenen Ballon, der vor nichts zurückschreckt, und dem ebenso gefährlichen "Protektor" Trump. Nicht zu beneiden, die beiden Völker.

Unterdessen mag man es allerdings allen gönnen, dass es wenigstens eine Verschnaufpause in dem Atomwahn gibt, dass sich die beiden derzeit (fast) grössten Idioten doch irgendwo etwas friedlicher begegnen. Armer Moon Jae In, der sich da redlich abstrampelt, damit aus den Verhandlungen doch noch etwas wird!

(30. April/ 28. Mai 2018)